Die Spezifizität der Sprache

Eine Sprache lebt, eine Sprache wird erlebt.

Die Sprache hat der Entwicklung unseres physischen, affektiven, intellektuellen und spirituellen (unsere Auffassung des Menschen, des Lebens...) beigetragen. Aus dem Grunde können wir nicht machen, als ob es sich um ein einfaches Wissen (wie in der Physik oder der Mathematik) handeln würde, das wir vermitteln möchten.
Es handelt sich darum, die Fremdsprache zu erwerben, indem man sie als Mittel zum Ausdruck und zur Kommunikation erlebt, statt sie auf einer abstrakten Weise zu lernen.

Die Teilnehmer-und gruppenorientierung der PDL

Teilnehmer- und gruppenorientiert bedeutet konsequenterweise, dass kein Lehrwerk mit fremdbestimmten Inhalten und einer festgelegten inhaltlichen Progression eingesetzt wird. In der Einstiegphase entsteht die Sprache in der Gruppe. In weiteren Phasen wird das Leben der Gruppe in der Zusammensetzung der Übungen und in der Auswahl der Themen und Texte berücksichtigt. Die Teilnehmer werden auf der realen und imaginären Ebene angesprochen, ohne dass in ihre persönliche Sphäre eingedrungen wird (Das Imaginäre bietet nicht nur eine stimulierende sonder auch eine Schutzfunktion an).

Jeder Teilnehmer wird zum Architekten seiner Sprache.

Die Trainerin bietet den Teilnehmern einen offenen Handlungsrahmen, der ihren Ausdruckswunsch stimuliert. Ab dem zweiten Tag eines Intensivkurses bestimmen die Teilnehmer die Inhalte ihrer Aussagen selbst (siehe Verlauf eines Kurses). Ausgefeilte Verfahren ermöglichen ihnen, sich sprachlich immer kompetenter auszudrücken.

Das Ihnen fehlende Sprachmaterial wird durch die Trainerin, bzw. in einem fortgeschrittenen Stadium durch die anderen Teilnehmer anhand spezifischer Verfahren (Doppeln, Aufladungstechniken) ergänzt. Sie erwerben unmittelbar die Fremdsprache, indem sie miteinander kommunizieren. Es entsteht ein direkter Kontakt zu dieser Sprache, so dass eine Einheit zwischen Sprecher und Sprache, zwischen Ausdrucksabsicht und Aussagen entsteht, was den Verstehens- und den Spracherwerbsprozess fördert. Diese Übereinstimmung zwischen den Sprechern und ihren Aussagen erleichtert den Erwerb der Fremdsprache und erhöht die Lernmotivation der Teilnehmer.

Die folgende Tabelle illustriert die verschiedenen Etappen einer pädagogischen Einheit:

Vermittlungsprozess o

Ausgehend von einer Rahmenaktivität (1) oder einem Dokument, die der Gruppe einen Ausdrucksrahmen gibt und ihren Ausdruckswunsch stimuliert, drücken sich die Teilnehmer in iner ersten Ausdrucksphase (2) mehr oder weniger geschickt aus, in der sie durch die Trainerin unterstützt werden. 
In einer Aufladungsphase (3) bietet ihnen die Trainerin eine Verstärkung, eine Erweiterung und gegebenfalls eine spachliche Korrektur der urstprünglichen Sequenz.
Wiederaufnahmephasen (4) ermöglichen einen Wiedergebrauch und eine Erweiterung der neuerschienenen sprachlichen Mittel, was ihre Integration fördert. Diese Wiederaufnahmetechniken stimulieren außerdem die Imagination der Teilnehmer, da sie zugleich eine Aufwärmungsdynamik besitzen.
Eine Reflexionsphase (5) findet statt, wenn die Teilnehmer Fragen zu Korrekturen haben oder wenn die Trainerin eine Erklärung für ökonomisch oder nützlich hält.

 

Die Einheit zwischen Sprecher und Sprache  

Im konventionellen Unterricht erfahren die Teilnehmer eine doppelte Verfremdung: Es sind nicht ihre Wörter, da die Fremdsprache nicht ihre Muttersprache ist (erste Verfremdung) und es sind nicht ihre Worte, denn sie sollen über Inhalte sprechen, die sie nicht unbedingt ansprechen bzw. die nicht ihren Ausdruckswünschen und Bedürfnissen entsprechen (zweite Verfremdung). Diese doppelte Verfremdung erschwert eine echte Kommunikation zwischen den Teilnehmern, reduziert ihr Interesse, ihre Aufnahmebereitschaft und ihre Motivation, schränkt die Konzentration und das Behalten der Lerninhalte ein, und bremst den Lern- und Erwerbsprozess insgesamt.

An erster Stelle eine positive Beziehung
zur Fremdsprache erstellen.

Die Psychodramaturgie reduziert die erste Verfremdung, indem von Beginn an eine Sensibilisierung der Teilnehmer für die prosodischen und lautlichen Eigenarten der Fremdsprache stattfindet. Die Aussprache ist einer der Grundfaktoren, die die Fremdheit einer Fremdsprache ausmachen.
Durch spezifische Verfahren, die die Wahrnehmung und Reproduktion der Eigenarten der fremden Aussprache erleichtern, wird die Fremdsprache vertrauter und kann somit leichter erworben werden. Die PDL versucht außerdem eine positive Beziehung zur Fremdsprache herzustellen, um ihren Zugang angenehmer zu machen und damit ihren Fremdheitscharakter zu reduzieren.

Wenn es ihre Worte sind,
dann kann es leichter ihre Sprache werden.

Die Psychodramaturgie hebt die zweite Verfremdung auf, da die sprachlichen Inhalte direkt in der Gruppe und aus der Gruppe entstehen. Sie entspringen aus den Ausdrucksbedürfnissen der Teilnehmer in der von ihnen mitgestalteten Kommunikationssituation. Die Teilnehmer nehmen in der Gruppe direkt am Entstehungsprozess der Sprache teil, dadurch sind sie Co-Autoren der Sprache, die im Kurs eingeführt wird. Sie bekommen auf diesem Wege die Mitverantwortung für die Inhalte und für ihren Spracherwerb.

 

Die Erstellung einer Atmosphäre des Vertrauens

Verschiedene Komponenten tragen in der Psychodramaturgie zur Schaffung einer Atmosphäre bei, die den Erwerbsprozess fördert, die Sprachbarrieren und Sprechhemmungen reduziert oder abbaut, und das Sich-Zutrauen und die Lust bei den Teilnehmern steigert, sich in der Fremdsprache auszudrücken:

Die Anerkennung des persönlichen Erwerbsrhythmus

Die PDL geht davon aus, dass jeder seinen eigenen Erwerbs- und Lernrhythmus hat und sich seinen Weg in der Fremdsprache bahnt. Dies bedeutet folglich, dass es keinen Lernzwang, sondern eine Einladung zum Spracherwerb gibt.

Die Erstellung einer konstruktiven Atmosphäre

Durch ihren Beziehungsstil, ihren Respekt für den Erwerbsrhythmus und –weg der Teilnehmer sowie durch ihre Haltung dem Irrtum gegenüber schafft die Trainerin eine Atmosphäre, in der die Angst, das Gesicht zu verlieren, maßgeblich reduziert wird. Das Selbstvertrauen der Teilnehmer wird gestärkt, was sie dazu führt, sich in der Fremdsprache freier auszudrücken und das zugleich den Erwerbsprozess fördert.

 Entspannungs- und Atemübungen

fördern die Rezeptivität der Teilnehmer, steigern ihre Konzentration und schaffen oft eine Atmosphäre der entspannten Aufmerksamkeit.

Übungen zur Förderung der  und der Ausdrucksfähigkeit

fördern den Kontakt unter den Teilnehmern und tragen zu der Entwicklung einer angenehmen Stimmung in der Gruppe bei.

 

Verfahren, die Präzision und Flexibilität verbinden

Folgen statt vorauszugehen.

Die Progression beruht beim Einstieg in die Fremdsprache vorwiegend auf relationellen Kriterien. Sie wird unterstützt durch genau aufeinander abgestimmte Übungen, die eine kohärente Gesamtheit bilden. Jede Hauptübung wird im Allgemeinen durch eine Aufwärmübung vorbereitet.que ce soit pour orienter les participants vers une fonction essentielle de l'exercice ( sensibilisation aux aspects rythmiques et mélodiques de la langue cible dans le miroir de groupe)ou que ce soit pour développer une attitude nécessaire à l'apprentissage (empathie, flexibilité et spontanéité) qui permettra de tirer le maximum de profit de l'exercice ou qui en facilitera le déroulement.
Zwischenübunge, die die Gesamtgruppe einbeziehen, sorgen für einen Wechsel zwischen Einzel- bzw. Zweier- und Gruppenarbeit und tragen zur Vertiefung von Kompetenzen bei, die für den Erwerb einer Fremdsprache notwendig sind (zuhören, Sponaneität...).

Weitere Progressionskriterien bestimmen die Auswahl der Aktivitäten in der Psychodramaturgie. Hier möchten wir die wichtigsten erwähnen:

Relationelle Kriterien: Vom Individuum zur Gruppe. 
Am Anfang des Spracherwerbs findet ein individueller Zugang zur Fremdsprache statt: Jeder macht seine ersten Schritte in seinem Rhythmus; dann entsteht eine Kommunikation mit einzelnen  Teilnehmern; allmählich werden Aktivitäten angeboten, die die Gesamtgruppe integriert. Diese Progression berücksichtigt das Leben der Teilnehmer in der Gruppe und das Gruppenleben.

Räumliche Kriterien: Von innen nach außen.
In einer ersten Phase findet die Sprache ihren Urspung in der anwesenden Gruppe. Dann werden offene Rahmenaktivitäten bzw. Dokumente angeboten, die eine Auslöserfunktion haben. 
Einige Übungen beginnen mit einer Rückkehr zu sich (Schlüsselwörter zu einem Thema, Vorbereitung einer Argumentation in Untergruppen...), bevor sich die Teilnehmer begegnen (Phase der Begegnung).

Ausdruckkriterien: Vom Körper zur Sprache 
Wichtig sind hier die Aufwärm- und Zwischenübungen, die oft der Progression Körperausdruck – vokaler Ausdruck (Laute) – verbaler Ausdruck folgen.

 

Gespiegeltes Doppeln 14

Von der Zweierbegegnung mit Unterstützung der Trainerin ("Gespiegeltes Doppeln")

 

Dyaden

Zur Zweierbegegnung der Gesamtgruppe("Begegnung in Dyaden")

 

Durch die Technik der Sequenz werden die notwendigen sprachlichen Mittel ad hoc vermittelt, sie folgen dem Ausdruckswunsch der Teilnehmer. Durch den fortschreitenden spiralförmigen Verlauf der Sequenz und durch die Neuaufnahme der Situation mit der Veränderung eines ihres Parameters (Wiederaufnahmeverfahren) wird ein vielfältiger und abwechslungsreicher Gebrauch der neuen sprachlichen Inhalte gefördert. Zudem wird dadurch Ihre Beherrschung erleichtert. Diese Verfahren fördern außerdem vom Anfang an einen flexiblen Umgang mit der Fremdsprache.

 

Die Vermittlung der Aussprache

In Kontakt mit einer fremden Sprache zu kommen,
bedeutet zuerst in Kontakt mit einem fremden Rhythmus zu kommen.

Beim Einstieg in die Fremdsprache werden die Teilnehmer für die Wichtigkeit der Aussprache sensibilisiert. Präzise Verfahren führen in die Besonderheiten des Rhythmus, der Melodie und der Artikulation der Fremdsprache ein. Bestimmte Übungen und Techniken, unter anderem das Doppeln und der Spiegel, ermöglichen eine präzise Wahrnehmung der Eigenarten der Fremdsprache. Gezielte Bewegungen erleichtern die Wahrnehmung und die Reproduktion der spezifischen aussprachlichen Merkmale der Fremdsprache. Gedichte heben rhythmische, melodische und segmentale (lautliche) Merkmale dieser Sprache hervor. Die verbo-tonale Methode bildet eine der Hauptgrundlagen zur Korrektur der Aussprache (siehe Bibliografie Dufeu, 1976, 1986, 1990, 2001, 2003: 267-316).

Diese Verfahren werden auch im Unterricht mit fortgeschrittenen Teilnehmern eingesetzt, die nicht oder nicht ausreichend korrigiert worden sind. Die Fremdsprache verliert dadurch einen Teil ihres Fremdheitscharakters. Sie wird den Teilnehmern vertrauter und sie können sie somit leichter integrieren.

Ballade 2

Laufen auf dem Rhythmus eines Satzes in der Fremdsprache

 

Der Erwerb der Lexik

Wenn es ihre Worte sind, dann kann es leichter ihre Sprache werden.

Während sich die Teilnehmer in den ersten Tagen mit Hilfe der Techniken des Doppelns und des Spiegelns mit der Aussprache der Zielsprache vertraut machen, bilden sie zugleich einen „Sprachkern“. Von diesem können sie in den weiteren Übungen ausgehen, um sich in der neuen Sprache auszudrücken zu können. Die Sprache wird in Situationen erworben, die sie ansprechen. Durch die Einheit zwischen Sprecher und Sprache, zwischen Sprechern und Ausdruckswünschen, zwischen Situation und Anwendung der Sprache wird der Erwerb der Sprache erleichtert und die Motivation der Teilnehmer angeregt.

Der Zugang zur Bedeutung
Der Zugang zur Bedeutung der unbekannten sprachlichen Aussagen wird durch die große Adäquatheit zwischen den Sprechern und ihren Aussagen, ebenso wie zwischen den Aussagen und der Situation erleichtert. Es besteht außerdem eine Umkehrung der Verstehensaufforderung: da die Teilnehmer die Initiatoren ihrer Aussagen sind, liegt es an der Trainerin, zu verstehen, was sie ausdrücken möchten und ihnen das sprachliche Material zu liefern, das sie benötigen. Der Verstehensprozess wird auch durch den Aufbau der verbalen Sequenz in der PDL erleichtert, wenn die Trainerin ausgehend vom mehr oder weniger dürftigen oder elaborierten Aussagen der Teilnehmer ausgeht, um ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern.

Der Sinn kommt manchmal über die Sinne.

Der denotative Sinn der Aussagen wird außerdem über die Wahrnehmung der Bedeutung (die konnotativen Werte der Botschaft) vermittelt. Dies bedeutet, dass die Teilnehmer nicht nur auf das "was", sondern auch auf das "wie" der Botschaft, das in relevanter Weise ihre Bedeutung modifizieren kann, aufmerksam werden. Dazu muss im Erwerbs- und Lernprozess eine Sensibilisierung zu anderen Wahrnehmungsmodi der Fremdsprache entwickelt werden.

Der Behaltensprozess
Die enge Beziehung zwischen dem Sprecher und seinen Aussagen fördert das Behalten der neuen Sprachmittel. Diese Beziehung wird außerdem durch den Aufbau der Sequenz, die das neue Sprachmaterial erneut anwendet und erweitert, durch die Aufladetechniken (siehe oben Etappe 3 des Schemas Vermittlungsprozess), durch die Wiederaufnahmetechniken (siehe oben Etappe 4 des gleichen Schemas ), die ermöglichen, die gleiche Situation mit der Veränderung eines Parameters noch einmal aufzunehmen, gefördert.

 

Die Entdeckung der Strukturen der Fremdsprache

Die Grammatik wird nicht von der Sprache getrennt.

Wenn ein Teilnehmer einen Irrtum macht, dann wird ihm die korrekte Fassung angeboten. Je nach sprachlicher Reife wird er diese Korrektur annehmen und integrieren oder er wird mehrere Male die gleiche Korrektur brauchen, um die richtige Form zu beherrschen.

Die Entdeckung der Sprachregelmäßigkeiten entwickelt sich auf der kognitiven Ebene teilweise über unbewusste Prozesse, teilweise über bewusste Prozesse der Analyse und der Deduktion, die jeder Teilnehmer individuell beim Erwerb der Fremdsprache mit nachvollziehen kann. Die grammatikalische Gruppenreflexion entsteht aufgrund der Probleme und der Fragen der Teilnehmer, wenn sie bestimmte Korrekturen nicht verstanden haben. Sie kann aber ebenso auf Eigeninitiative der Trainerin erfolgen, wenn diese meint, dass eine grammatikalische Erklärung ökonomisch und notwendig für die Gruppe sein kann.

Die grammatikalische Reflexion steht in einer Outputposition und nicht in einer Inputposition, d.h. die Grammatik wird nicht vorprogrammiert, sondern sie entsteht aus dem Gebrauch der Fremdsprache heraus. Der bewusste Lernprozess baut sich auf den Erwerbsprozess auf. Die Reflexion pfropft sich auf die Erfahrung der Sprache auf

Dieser Ansatz plant nicht die Lösung von möglichen Problemen im Voraus, sondern folgt den Bedürfnissen der Gruppe. Auch hier gilt ein Grundprinzip der Psychodramaturgie: Folgen statt voraus zu gehen. Der Zugang zur Grammatik ist hier ebenfalls teilnehmer- und gruppenorientiert, er geht nicht von einem Gesamtwissen der Grammatik aus. So weit es möglich ist, werden die Regelmäßigkeiten der Sprache aufgrund der schon ähnlichen begegneten sprachlichen Phänomene von der Gruppe selbst entdeckt. Wenn notwendig wird dazu meistens die „Konzeptualisationstechnik“ angewendet, die H. Besse Anfang der siebziger Jahre entwickelte (cf. u. a. H. Besse : „Les exercices de conceptualisation ou la réflexion grammaticale au niveau 2.“ In Voix et Images du Crédif 1974/2, 38-44). Dieses Verfahren ermöglicht vom Kenntnisstand und von den Bedürfnissen der Gruppe auszugehen und eine Formulierung der Regel in einer von der Gruppe selbst konzipierten Ausdrucksweise aufzustellen. Die Trainerin hat dabei eine strukturierende Funktion und eine orientierungsgebende Funktion. Sie liefert auch anschließend die Metasprache, so dass die Teilnehmer später die Fachbegriffe in anderen Kontexten verstehen. Bei komplizierten syntaktischen Phänomenen gibt sie direkt die grammatikalische Erklärung (z.B. beim Gebrauch der Zeiten der Vergangenheit oder des Subjonctif im Französischen) vor. Diese Erklärungen beruhen auf der Konzeption einer intentionellen Grammatik (siehe Dufeu, 1982, 1993 a, 1993 b)

Die Artikel, die unter „Grammatik“ in der Bibliographie stehen, präzisieren – ebenso wie der folgende Beitrag auf dieser Webseite – unsere Einstellung zur Grammatik (zum Grammatikerwerb?).

... und die Grammatik?

 Die Einstellung zum Irrtum

Beim Judo lernte ich zuerst das Fallen,
danach konnte ich angstfrei lernen

Im konventionellen Unterricht führt die Angst vor Fehlern bei einigen Teilnehmern dazu, sich in einem "grammatikalisch fehlerfreien Schweigen" auszudrücken.

In der Psychodramaturgie betrachten die Trainer Irrtümer als unvermeidliches und unentbehrliches Entwicklungsphänomen beim Erwerb einer Fremdsprache. Es gibt keinen Lernprozess ohne Irrtum. Irrtümer gehören nicht nur zum Erwerbsprozess, sondern sie fördern ihn: Sie ermöglichen die Erkundung der Strukturen und der Grenzen der Fremdsprache. Wir sprechen aus diesem Grunde von Irrtümern und nicht von Fehlern, da dieser Begriff meist mit Schuldzuweisung verbunden ist. Der Versuch, Irrtümer vermeiden wollen, hemmt nicht nur den Ausdruck der Teilnehmer, sondern bremst zusätzlich den Spracherwerb.

Diese Einstellung zum Irrtum  trägt dazu bei, die Angst der Teilnehmer vor Blamage zu verringern, wenn sie sich irren. Die Teilnehmer werden eingeladen, Risiken einzugehen, um ihre Kenntnisse in der Fremdsprache zu erweitern.

Das bedeutet nicht, dass in der Psychodramaturgie eine Laissez-faire-Haltung dem Irrtum gegenüber eingenommen wird. Wenn ein Teilnehmer einen Irrtum macht, dann schlagen wir ihm die richtige Form vor. Aufgrund seiner sprachlichen Reife in der Fremdsprache und anderer persönlicher Faktoren, wird er die richtige Form übernehmen. Oder er wird mehrere Korrekturvorschläge brauchen, um diese Form beherrschen zu können. Die Korrektur beginnt dann, ihren Weg zum korrigierten Protagonisten zu finden; für andere Teilnehmer kann diese Korrektur direkt nützlich sein.

Für uns gibt es keine Dichotomie zwischen Kommunikation und sprachlicher Korrektur. Je korrekter gesprochen wird, desto besser und nuancierter kann kommuniziert werden.

Die Akzeptanz der kulturellen Unterschiede

Eine Pädagogik der Differenz.

Viele PDL-Übungen fördern die Entwicklung des Zuhörens und der Beobachtung, welche zum Verständnis des "anderen" in seiner Andersartigkeit beitragen. Psychodramaturgische Verfahren ermöglichen außerdem einige kulturelle Eigenarten des fremden Landes von innen zu erleben und damit tiefer zu begreifen. Sie erlauben auch bestimmte Clichés und Bilder über die Sprecher der Fremdsprache wahrzunehmen. Ein besonderer Zugang zu Texten, die spezifische Aspekte der fremden Kultur hervorheben, tragen ebenfalls zu einer Erweiterung bzw. einer Vertiefung der Kenntnis, bzw. des Wissens über die fremde Kultur bei.

Die Einführung der Schrift

Die Schrift wird progressiv eingeführt. In den ersten Tagen wird dem mündlichen Ausdruck der Vorrang gegeben. Erst ab Ende des zweiten Tages werden die ersten schriftlichen Transkriptionen eingesetzt. Die Teilnehmer werden dazu aufgefordert, Hypothesen über die schriftliche Transkription von Aussagen zu erstellen, die in dem Kurs entstanden sind, und die sie in der Fremdsprache schreiben möchten. Ihre Hypothesen werden dann mit der richtigen Fassung verglichen, Gesetzmäßigkeiten der Schrift in der Fremdsprache werden dabei entdeckt und erörtert. Diese Aussagen werden dann, wenn dies möglich ist, in ihren ursprünglichen Kontext eingebettet. Während der ersten Woche eines Intensivkurses für Anfänger stehen die Übungen in direkter Verbindung zu der in der Gruppe entstandenen Sprache. Allmählich werden mündliche und schriftliche Übungen immer mehr miteinander verknüpft, wobei die schriftlichen Übungen in Einklang mit ihrer Funktion und ihrem Gebrauch in der schriftlichen Sprache eingesetzt werden.

Texte werden auch als Auslöser verwendet, sie fördern dannn den Ausdruckswunsch der Teilnehmer. Sie werden meistens nach dramaturgischen, gruppendynamischen bzw. thematischen Kriterien ausgesucht. Sie dienen ferner dazu, die Kenntnis der schriftlichen Sprache, der Fremdsprache im Allgemeinen und ihrer Kultur zu erweitern.

 

Ecrit erotique

Aufbau eines Gedichtes in Untergruppen.

Link

Weitere Hinweise zu den Grundlagen der PDL finden Sie auf dieser Homepage:

Grundhypothesen der PDL

Die Quellen der PDL

Um die Praxis der PDL besser zu verstehen, verweisen wir auf die Beschreibung einiger Etappen eines Sprachkurses unter

Kursverlauf

Für eine Vertiefung der Grundlagen und der Praxis der PDL empfehlen wir das Referenzbuch der Psychodramaturgie :

Wege zu einer Pädagogik des Seins

© Bernard Dufeu, 2001.